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Hans Klaffl: 40 Jahre Ferien - ein Lehrer packt ein

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Foto: Angelika Silberbach

MainPost vom 28.4.09

Sezierende Einblicke in den Mikrokosmos Schule
 
Kabarettist Han's Klaffl begeisterte das Publikum im Hammelburger Frobenius-Gymnasium

(as) Er rockt und röhrt, er seufzt und säuselt, er wütet und winselt: Jubelnder Beifall für Han's Klaffls sezierende Einblicke in den Mikrokosmos Schule. Seit sechs Jahren tourt der „Staatskabarettist auf Lebenszeit“ mit „40 Jahre Ferien – Ein Lehrer packt ein“ durch die Republik. Auf Einladung von kulturbunt gastierte er im Frobenius-Gymnasiums.

Nach Schätzungen lag der Lehreranteil im Publikum bei rund 70 Prozent. „Könnte stimmen“, bejaht der Teilzeit-Musiklehrer am Gymnasium in Haar bei München nach der Vorstellung schmunzelnd. Denn Lehrer outen sich durch besonders lautes Lachen bei bestimmten Signalwörtern, wie beispielsweise „Dillingen“. Denn nur Lehrer wüssten, dass dort Fortbildungsseminare stattfinden und manche im Publikum ahnten, dass Kollege Klaffl hinter dem Seminarordner die letzte Flasche Rotwein verbarg. Sein offizielles Doping, um so manchen Korrekturmarathon zu überstehen.

Denn ist es nicht frustrierend, dass kein Schüler das Wort Rhythmus richtig schreibt, außer Maxi, dem einzigen Legastheniker in der Klasse? Dass „Hallo Julia“ von Händel komponiert wurde und man an den Antworten nicht einmal mehr die Fragen erkennt? „Ich fühle mich wie ein Drei-Sterne-Koch, dem sie vor die Tür kotzen“, beschwert sich Oberstudienrat K., der eine hohe Trefferquote beim Schätzen der Fächerkombination von Kollegen hat.

Er unterteilt in vier Lehrer-Grundtypen, die anschließend immer wieder in dem höchst unterhaltsamen Musik-Kabarett auftauchen. Lehrer Sedlmayer hat keine Probleme mit Schülern, „höchstens die mit mir“. Ein Typ, der alles aussitzt und die alten Cordanzüge aus den 1970er Jahren aufträgt. Kollegin Gütlich ist ständig tief betroffen, belastete Bedenken-Trägerin und eine Meisterin des Projektunterrichts. Gregorius, personifizierter pädagogischer Eros und Schöngeist, lehrt alte Sprachen und hat mindestens einen halbfertigen Roman sowie eine angefangene Doktorarbeit in der Schublade. Und dann gibt es noch Kollege Gmeinwieser, den Brachialrhetoriker mit der Fächerkombination Sport und Chemie, „der Lukas Podolski im Kollegium und der Meister der pädagogischen Blutgrätsche“. Der Schüler ist sein natürlicher Feind, der vermehrt am ADHS-Syndrom leidet, „der Krankheit, bei der der Leidensdruck nicht beim Patienten liegt“.

Mit Klavier und Kontrabass grast Klaffl wortakrobatisch und mit vollem Körpereinsatz Themen ab wie endlos dauernde Lehrerkonferenzen oder widersinnige Eltern-Sprech-Tage. Er zitiert Edmund Stoiber-Balbulus' (lateinisch: der Stammler) schönrednerische Ergüsse über die Pisastudie und erzählt von der Umsetzung der Weisung Günther Becksteins: „Bevor unsere Kinder auf dem Schulhof Drogen verkaufen, sollen sie ein Musikinstrument lernen.“

Seine leidenschaftliche Klage „Hilfe, ich bin ein Lehrer, holt mich hier raus“ wird abgelöst von einem entspannten Blues über desinteressierte Elftklässler. Höchst konzentriert hingegen lauschte das Publikum dem augenzwinkernden Schul-Report von Klaffl, und alle konnten an diesem Abend ausgelassen darüber lachen.



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