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"Ach, wie es uns gruselte!"

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Mainpost vom 12.11.08
 
Gruselnacht mit Macbeth und den Gebrüdern Grimm
 
Ausverkaufter Kulturbunt-Abend mit den Schauspielern des Meininger Theaters

(eam) Nicht nur Graf Dracula lehrt das Fürchten, auch die Gebrüder Grimm lassen erschaudern – vor allem, wenn ihre Märchen von Schauspielern wie Roman Weltziel und Eva Kammigan so gut in Szene gesetzt werden.

Auf raschelndem Laub folgte der Besucher ins Reich des Gruselns. Nur von Kerzenschein geführt gelangten die Mutigen in die Tiefen des Roten Schlosses. Kulturbunt hatte zu einem Fest des Grauens in den ausverkauften Bocksbeutelkeller geladen. Dementsprechend stimmungsvoll war der Keller mit schwarzen Raben, schwarzen Tüchern und Friedhofslichtern dekoriert. Kulinarisch boten die umtriebigen Frauen von Kulturbunt Gewürm respektive Nudelsalat und Toastbrot mit Ei an.

Puppenspieler Sebastian Putz umrahmte den Schauerreigen als Gespenst, das von hinten durch die Reihen kam und schnell Spannung im Publikum erzeugte. In einer szenischen Lesung brachten die Schauspieler Eva Kammigan und Roman Weltzien vom Meininger Theater eine große Vielfalt an Schaurigem aus der Literatur auf die Bühne, musikalisch und mit Bildprojektionen eindrucksvoll unterlegt.

Die Hexenszene von Macbeth durfte da nicht fehlen. Eine wahre Fundgrube stellte die Märchensammlung der Gebrüder Grimm dar. Im Märchen „Von einem der auszog das Fürchten zu lernen“ ist ein Eimer Fische im Bett furchteinflösender als Leichen und Gespenster es sind. Eine Collage aus den grausamen Szenen von Aschenputtel bis Rapunzel versammelte alle Foltermethoden, die im Mittelalter angewandt wurden und ließ den Zuhörer erschaudern ob so viel Grausamkeit in Märchen, die wir auch Kindern erzählen.

Geschickt nutzte das Ensemble die Räumlichkeiten des Gewölbekellers. Ein Schrei aus dem Hintergrund, ein Dialog mit einem Geist mit Echo von der Treppe und Kindergeschrei im Hintergrund erzeugten eine atmosphärische Spannung, die dem Motto des Abends entsprach. Auch die Mimik der Schauspieler unterstrich das Vorgetragene. Sie rezitierten die gruseligen und teils makabren Texte mal gemeinsam auf dem Sofa sitzend oder liegend wie eine Leiche.

Bram Stoker mit seinem Tagebuch über seine Reise zu den Untoten und Erzählungen über Graf Draculas Grausamkeit schlugen die Zuhörer in den Bann. Ausschnitte aus mittelalterlichen Werken zu Vampiren und aus Predigten brachten das Publikum auch schon mal zum Lachen, da die Vielfalt der Symptome fast jeden verdächtig machen konnte.

Die beiden bekennenden Gruselfans Kammigan und Weltzien präsentierten ein breitgefächertes Spektrum von Gruselgeschichten wie etwa der Blutgräfin, die im 16. Jahrhundert 750 Jungfrauen zu Tode folterte, um in ihrem Blut zu baden, oder dem Knaben im Moor von Droste-Hülshoff. Der Zuschauer erfährt auch Rezepte für Blutbrot zur Bekämpfung von Vampiren oder skurrile Varianten zur Zubereitung von Nachtigallen. Die Auswahl der Erzählungen reichte von Novalis, William Blake, Christian Morgenstern, Edgar A. Poe bis zu Georg Heym. Projektionen wie Radierungen Goyas, Holzschnitte aus dem Mittelalter, Max Beckmanns expressionistischer „Vampir“ und Bilder vom Totentanz untermalten das Vorgetragene.

Angetan von den schauspielerischen Fähigkeiten werden einige Besucher vielleicht auch öfter das Meininger Theater aufsuchen. Denn dort wird Weltzien, der 2007 mit dem Ulrich-Burkhard-Förderpreis ausgezeichnet wurde, im nächsten Frühjahr wieder als Faust zu sehen sein.

 

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