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Ungleiche Nachbarn

Main-Post schreibt:
(20.10.2015)

Groebner presseOhne Zweifel, der Exil-Wiener Severin Groebner beherrscht ihn gut: den Balanceakt auf dem Hochseil des Satirischen, über Tatsachen und Vorurteilen schwebend. So schlicht und zurückgenommen sein Erscheinen, so treffsicher und tiefschürfend seine Beobachtungen, die zwischen Deutschen und Österreichern hin und her pendeln. Der in Wien Geborene und seit vielen Jahren in Deutschland lebende, mehrfach preisgekrönte Kabarettist Severin Groebner beherrscht sein Metier.
( …)
Ein wichtiges Element in Groebners Leben scheint für den Wahldeutschen seine Krise zu sein, die Tisch und Bett bereits mit ihm in Österreich geteilt hat. Gutes hat eben Bestand, Widrigkeiten, Verschiedenheiten und Unvereinbarkeiten zum Trotz. Er erkennt sie beispielsweise an Lebensweisen und unterschiedlichen Vorlieben: Österreicher wissen, dass Arbeit nicht schändet, aber eben auch nicht adelt. Er entlarvt die Vorliebe des Deutschen für Baumärkte, da diese gerne permanent etwas tun, und Nichtstun ein Fremdwort für sie ist. Die Deutschen können eben alles, nur nicht nichts tun.
(…)
Groebner entstaubt im Geiste Freuds gebildete und sich von Kaffee und Sachertorte ernährende Wiener, die in Kaffeehäusern vor sich hin vegetieren und manchmal quasimodohaft diesem Etablissement wieder ins Tageslicht entkommen. "Schier" (= hässlich) sind sie seines Erachtens, und schier scheint vieles für den Wiener zu sein ... Er stimmt den "Post Proletaris Piefke Punk" an, und das Publikum wiegt sich im Takt. Taktvolle und taktlose Erkenntnisse über die DÖF, die Deutsch-Österreichische Freundschaft, sorgten für einen amüsanten Abend bei der Kulturbunt-Oktoberveranstaltung.

Jacqueline Vera Mihm



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