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Die Main-Post schreibt:
(18.6.15)

Sabine Domogala "therapiert" mit halben Igeln und Reichtums-Kerzen beim kulturbunt und gibt unkonventionelle Tipps zur Begradigung emotionaler und psychischer Schieflagen.

In der Hammelburger Markthalle sitzen erwartungsvoll: Kabarettliebhaber und tapfere Bürger, die von der Bonner Kabarettistin Sabine Domogala an einem heißen Sommerabend erfahren wollen, wie man die eigenen "Schwächen umarmen" kann.

(…)

Domogalas Therapieansätze unterscheiden sich, so viel ist von Anfang an klar: Therapeutisches Fachvokabular, überhöht und überspitzt, Darstellungen, voller Inbrunst vorgetragen: Sabine Domogala begeistert.

Gnadenlose Direktheit

Ein Handy im Zuschauerraum klingelt. "Gehen Sie dran, oder soll ich es entgegennehmen", fragt sie. Gnadenlose Direktheit liegt Sabine Domogala, bestrebt, so den direkten Weg ins Glück zu ermöglichen.

Getragen wird sie von einer scheinbar guten Intention, die allerdings nicht immer die gewünschte Therapiewirkung erzielt: Da ist zum Beispiel der depressive Werner, dessen Namen sie aus Verschwiegenheitspflicht nicht erwähnen darf. Werner leidet unter zu oberflächlichen und ständig wechselnden Bekanntschaften. Dem Zugbegleiter gibt Domogala den ultimativen Karrieretipp, er solle Friedhofsgärtner werden, da seien längere Beziehungen möglich. Sie plaudert weiter aus ihrem therapeutischen Nähkästchen, und das amüsierte Publikum erfährt, dass für Werner Glück eine Kröte ist. Eine Kröte, die immer vor ihm davonhüpft, die er nicht greifen kann. Bedenke man die Krötenwanderungen, gehe es anderen auch so, erklärt sie ihm lebensnah.

Eine Frage der Perspektive

Es ist eben alles eine Frage der Perspektive und Interpretation. Getreu Domogalas Wahlspruch: "Wenn alle die Welt durch meine Augen sehen, ist auch mir geholfen". Werner bricht die Therapie ab und bei ihr ein, um sein Tagebuch zurückzubekommen, das sie ihm weggenommen hatte. Therapiemethoden à la Domogala.

(…)

Drei Tore der Reflektion

Die Kabarettistin führt das Publikum durch die drei Tore der Reflektion und in Schneeketten-Makramee ein, erklärt die Möglichkeit des Rebirthing mit stundenlangen Walgesängen und den Vorteil des gehäkelten Sorgensacks. Die Häkelanleitung findet sich auf ihrer Website. Die Verwendung des Sorgensacks erläutert sie dem interessierten Publikum ausführlich.

Wichtig ist ihr, den Auswirkungen von "ELL" entgegenzuwirken. Dem "Elementaren Lob Loch" begegnet man am besten mit dem "halben Igel": sich selbst umarmen, zusammenrollen und Ruhe! Das Publikum übt begeistert mit. Die ELL-Gefahr scheint bei den Anwesenden künftig gebannt. Vielleicht kann sich der ein oder andere sich für Sabine Domogalas Leidenschaft begeistern. Ihre Hobby ist so exotisch wie ihre therapeutische Tätigkeit: Gesichter in Radieschen beißen. Hier gibt sie, wie in ihrer Arbeit, alles: porträtiert Gäste von Familienfeiern, im Abstellraum der Gastgeber untergebracht. Ein neues Hobby - vielleicht wird's ja DER Schlüssel zum Glück?

Viel Applaus und eine weitere Zugabe: Das kulturbunt-Publikum im Glück, Sabine Domogalas Therapie war anscheinend erfolgreich. Oder etwa nicht?

von Jaqueline Vera Mihm

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