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„Arabian Nights“ auf der Trimburg

 

Osthessen News schreibt:
(21.9.15)

caf-del-mundoCafé del Mundo und die Fledermaus - Zauberer auf den Flamencogitarren

Schon vor vielen hundert Jahren erklangen auf der Trimburg wohl die Laute und der Minnesang, der seine Wurzeln auch in der spanisch-arabischen Liebeslyrik des „Al Andalus“ hatte. Was aber Café del Mundo – das sind die beiden Ausnahmegitarristen Jan Pascal und Alexander Kilian – am vergangenen Freitagabend dort auf ihren Flamencogitarren zauberten, wurde in den Mauern der Trimburg noch nicht gehört und von kaum einem der begeisterten Zuhörer im bis auf den letzten Platz besetzten Burginnenhof bisher so erlebt.

„Arabian Nights“ war aber nur eines der Musikstücke, die sich wie musikalische Perlen aneinanderreihten. Schon „Viajeros“ zu Beginn ließ das Publikum erahnen, dass es einen außergewöhnlichen Flamenco, den Flamenco nuevo erleben wird. War „Vajeros“ noch mehr von traditionellen Elementen geprägt, so zeigten die meisten der folgenden Stücke ausgeprägte Jazzelemente. Ausgangspunkt ist allerdings immer einer der typischen Flamencostile, der Palos. Natürlich brillierte dort wie auch beim folgenden „Fine Day“ das Duo mit den zahlreichen Spieltechniken der Flamencogitarre, zum Beispiel mit voluminösen Arpeggios.

 

Rasch fühlte sich das Publikum nicht nur als Zuhörer, sondern in die Musik mit hineingenommen (...)

Mit dieser Soleares, der Königin der Palos, bekam das Konzert auch ein erstes optisches Glanzlicht: Azucena Rubio, die Flamencotänzerin aus Sevilla. Flamenco-tanz voller Leidenschaft und Anmut, voller Sinnlichkeit und Grazie! Ein Wechselspiel zwischen energischer Drehung und majestätischer Bewegung des Körpers, leidenschaftlicher Mimik und stolzen Blicken, zwischen ausdrucksstarken Arm- und Handbewegungen und den Zapateados, der rhythmischen Fußarbeit, zog die bewundernden Blicke der Zuschauer auf sich. Bei ihren Staccatos, dem furiosen Tanzwirbel mit den Füßen, nahmen sich die Gitarristen völlig zurück und begleiteten nur noch mit rhythmischen Rasgueados auf abgedämpften Saiten. Immer wieder setzte nun Azucena Rubio mit ihrer ausgefeilten Choreographie diese optischen Glanzlichter, wie bei ¿Qué Thiero? und „Rio Guadalest“.

„Uma Bossa“ begann Jan Pascal jazzartig auf abgedämpften Basssaiten. Alexander Kilian legte brillant gespielte Tremoli und kaum vorstellbar schnelle Läufe darüber. Und nun folgte wie so oft ein Dialog der Gitarren, ein beständiger Wechsel in der Übernahme von Solopart und Begleitung, um dann immer leiser werdend in einem Pianissimo zu verklingen – ein Hauch von Alexander Kilian über die Saiten. Stille, ein erheitertes Publikum und herzlicher Applaus.

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Hatte die Anekdote zu „Rio Guadalest“ die Fledermaus angelockt oder gehörte sie einfach zum Ambiente der Burgruine? Immer wieder flatterte sie durch den Burginnenhof. Auf jeden Fall amüsierte sie die Zuhörer genauso wie die Anekdote um den eigentümlichen Abschluss der Kopfplatte von Alexander Kilians Flamencogitarre. Der stellt nämlich nicht das Wappen des Gitarrenbauers Ricardo Sanchis Carpio dar, wie Jan Pascal vermutete, sondern eine Fledermaus, die von den Bewohnern am „Rio Guadalest“ hohe Wertschätzung erfährt. Diese Komposition im Stil einer traditionellen Buleria ließ das Duo in seiner Spielfreude erneut zur Höchstform auflaufen. Buleria bedeutet schließlich auch Spaß und Witz und ist ein fröhlicher Palo. Und Azucena Rubio setzte die optischen und rhythmischen Akzente.

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Die Faszination dieses Konzerts lag im Ambiente der Trimburg, dem Reichtum der Klangeindrücke und der Virtuosität und der Darstellungskraft dreier herausragender Musiker, denn auch Azucena Rubio ist mehr als nur eine beeindruckende Tänzerin. Während die Kühle der Septembernacht durch die Ritzen der Mauern und Türen in den überdachten Burginnenhof kroch, hatte die Musik die Herzen der Zuhörer gewärmt. Und damit hatte Jan Pascal sein anfangs gegebenes Versprechen eingelöst: „Wir werden versuchen, Sie von innen zu wärmen.“ (...)

Technische Brillanz und grandiose Virtuosität, gepaart mit einem Höchstmaß an Musikalität ist für die Zuhörer faszinierend, für die beiden Gitarristen aber ein selbstverständlicher Anspruch an sich selbst. Das Einzigartige an Café del Mundo ist, dass fast ausschließlich Eigenkompositionen, geprägt von großem musikalischen Einfallsreichtum, ja von harmonischer Raffinesse, gespielt werden. Sie tragen keine Musikstücke vor. Sie leben in ihrer Musik und für ihre Musik. Und so entsteht diese Intensität, die den Funken auf das begeisterte Publikum überspringen lässt. Und diese Begeisterung ließ sich am nicht enden wollenden Schlussapplaus ablesen: Standing-Ovation! Olé!

Waldemar Manger

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