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Mitbewohner für Dorf-WG im Osten gesucht

Main-Post v. 6.5.12

Kabarettist Arnim Töpel fand den richtigen Draht zum Hammelburger Publikum

Rechtzeitig gehen, so hieß das Programm von Arnim Töpel, mit dem er in Hammelburg auf Einladung von kulturbunt gastierte.


Foto: Charlotte Wahler

Wollen Sie im Alter nicht mit netten Menschen in einer netten Umgebung wohnen? Arnim Töpel, vielfach ausgezeichneter Kabarettist, ging in seinem Programm „Rechtzeitig gehen“ dieser Frage nach und in der Aula des Hammelburger Frobenius-Gymnasiums folgten ihm rund 100 Gäste auf seinen hintergründigen Denkpfaden.

Rechtzeitig gehen – diese Kunst ist ja in den unterschiedlichsten Lebenslagen von Nutzen, aber ist pünktlich schon rechtzeitig? Und wohin wollen wir gehen? Verstehen die Menschen überhaupt jemals das gleiche? Wo der Franke an (Mercedes) Benz und der Rheinländer an (Hot) Pants und Arnim Töpel vielleicht an Janis Joplin in ihren besten Jahren denkt, da eröffnet sich ein Raum, in dem viel Platz fürs Nachdenken entsteht.

Der Künstler erzählt seine Geschichten und spielt seine Lieder ganz unaufgeregt, man fällt sich nicht vor lauter Lachen aus dem Sessel, sondern bleibt darin sitzen und hört zu. Was immer du tust, tu es nicht ohne Liebe, singt er, ach ja, stimmt, das war ja auch noch wichtig. Töpel referiert über die Beziehungen zwischen den Geschlechtern, ohne Boshaftigkeit und trotzdem lustig, geht das überhaupt?

Ja, es geht. Töpel kommt zu der Erkenntnis, dass die Menschen die Sprache ja nur erfunden hätten, um sich voneinander abzugrenzen. Er erzählt aus seiner Kindheit: Arnim Töpel kommt in die Schule, mit diesem Namen, in eine kleine Dorfschule, pruhaha. Alle lachen mit, alle kennen das, und alle erinnern sich an erste Freundschaften in Zeiten, in denen es irgendwie darum ging, in das Leben hineinzuwachsen.

Töpel spielt meisterlich mit der Musikalität von Dialekten, vorzugsweise hochdeutsch und kurpfälzisch, seine Sprache schafft Platz für Freundlichkeit. Wenn da nicht die klassisch männliche Besuchform, das Erobern, wäre. Als tragfähigeres Konzept erweise sich immer noch Friede, Freude, Eierkuchen, meint er und singt sein Single-Lied: Wir sind alle Singles, jung, alt, immer, verheiratet, ledig, mit und ohne Kinder.

Und der Künstler fragt, ob man nicht überlegen sollte, vielleicht im Alter zusammenzuziehen. Na, wär das nicht was? Er suche Mitbewohner. Schwierig sei das, wenn schon der gemeinsame Urlaub nicht klappt. Wenn der Streit in Trennungskatastrophen ausarten könnte über die Frage, ob man nachts einmal oder zweimal abschließt. Er suche und wir sollten schon mal überlegen, ob wir mitmachen wollten, er suche insgesamt 300 Leute für ein kleines leeres Dorf in Mecklenburg-Vorpommern. Da lacht der Saal. Als ob der Saaletal-Franke sich jemals von seinen Weinbergen trennen würde?

Töpel, der mit seinem Programm „Sex ist auch keine Lösung“ schon in Hammelburg war, kam erfrischenderweise fast ohne Politik aus. Indem er die altbekannten Seitenhiebe auf die Merkel, Schäuble und Co. einfach wegließ, stellte er seine Bühne in den privaten Raum des Politischen und entließ die Zuhörer mit der Frage: Wie wollen wir leben im Alter, wie wollen wir hinauswachsen aus dem Leben? Auf der Heimfahrt überlegt man sich, dass ein mecklenburgisches Dorf mit Töpel vielleicht gar keine so schlechte Idee wäre.

Von Charlotte Wahler


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