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Mit Klappmaulpuppen den Spiegel vorgehalten

Main-Post v. 23.4.12

Volles Haus im Gasthof „Zur Linde“ in Engenthal beim Figurenkabarett mit Josef PrettererSchwein und Klon: Kabarettist Josef Pretterer lässt seine Puppen sprechen (Foto: Annette Warmuth) 

 

Stimmung und gute Laune brachte der Puppenspieler Josef Pretterer in den historischen Tanzsaal des Gasthauses „Zur Linde“. Mit seinen selbstgefertigten Puppen nahm er beim Figurenkabarett gekonnt die Mitmenschen und ihre Macken unter die Lupe.

Der in Köln geborene und nun in München lebende Josef Pretterer fing ursprünglich mit einem Kasperletheater für Kinder an. Inzwischen hat er über 60 selbst gefertigte Puppen, die er in sein Programm einbaut. Texte für die Auftritte schreibt er sich nicht, der 64-Jährige hat sein Programm im Kopf.

 

Opas Weisheiten: Der Brandner Sepp mit seinem Enkel Pascal (Foto: Annette Warmuth)Die Puppen sind aus Schaumstoff modelliert, werden mit naturfarbenem Nessel kaschiert und dann bemalt. So sind die sogenannten Klappmaulpuppen leicht und stabil und können gut transportiert werden. Sohn Jonas begleitete seinen Vater und ist für die Musik zu den Szenen verantwortlich. Liebevoll hatten die 13 Kulturbunt-Frauen wieder die Tischdekoration in dem mit etwa 100 Gästen ausverkauften Saal gestaltet. Überall standen Kasperlepuppen auf den Tischen und strahlten die Besucher an.

Dann betrat Pretterer als Lydia Brandner die Bühne und erklärte, dass sie gerne ein Kind gehabt hätte, aber keinen Mann habe. So schaut sie sich nach einem geeigneten Kandidaten um und wählt wegen des IQ schließlich einen Professor im Fraunhofer Institut, in dem sie als Putzfrau arbeitet. Den Professor auf der Weihnachtsfeier abgefüllt, im Putzwagen mit ihm in den Ruheraum und hier das Ergebnis: ihr Sohn Pascal – der Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten (leider).

Nächste Szene: Puppe Pascal (im Schulalter) möchte laufen, doch Mutter sagt Nein – solange dich Mama tragen kann. Pascal möchte Power Ranger werden, Mutter möchte, dass er Professor, Superstar oder über Priester und Kardinal zum Papst wird und sie ihm dann den Haushalt führen kann. Um keine „Muttervergiftung“ zu bekommen, besucht Pascal seinen Opa, den Brandner Sepp. Für 14 Tage fährt er vom Rheinland nach Bayern. Mit Opa kann Pascal alles besprechen und lernt dort das Wichtigste – von der Landwirtschaft bis zur Politik.

Der Brandner Sepp macht mit seinem Enkel Musik, spielt Tiere raten, und so kommt Pascal auf die Frage, wie Schäfchen in den Bauch der Schafe und Babys in den Bauch der Mütter kommen. Da Pascal die Frage über „Gaudistangl“ und „Gaudiloch“ nicht als Antwort ausreichend ist, spielen beide Kopfkino. Pascal schließt dabei die Augen und Opa erklärt – Opa hat nämlich keinen Fernseher, er denkt noch!

Nächste Szene: Lydias Eizelle sucht den passenden Samen. Drei Bewerber stellen sich vor: Hartmut, Erkan und Pascal. Pascal gewinnt mit IQ und romantischer Ader.

Opa erklärt mit weiteren Puppen Gier und Geiz: Gewinn optimieren, abkassieren, Umwelt egal.

Pretterers Kultfigur ist jedoch Therapeutin Gerda von Schwanenborn. Gerda bezieht das Publikum mit ein und führt eine „Spontanheilung“ vor. Ihre Gruppentherapien reichen von der Toskana (gewaltfreies Sahneschlagen für Hausfrauen) bis Hammelburg (Bachblütenworkshop: Mein Leben geht den Bach runter – was blüht mir?).

Danach erhält Pascal von Opa eine Lehrstunde über das Klonen. Jetzt kommen die Puppen Schwein und Klon, halb Mensch halb Schwein, zum Einsatz. Der Opa führt mit seinem Enkel noch eine kurze Diskussion und singt dann den müden Enkel in den Schlaf.

Tosenden Applaus erntet Josef Pretterer vom Publikum für seinen kurzweiligen und lehrreichen Auftritt. Ohne Zugabe lassen ihn die Gäste deshalb nicht von der Bühne.

Pretterer betritt schließlich als Gerda Brandner – Ex-Frau des Sepp und Mutter der Lydia sowie Oma des Pascal – die Bühne. Diese Puppe ist eine der ältesten Puppen des Kabarettisten. Sie entstand vor 15 Jahren. Über brachliegende Frauen, Botox und Mütter im Alter von über 70 Jahren dank künstlicher Befruchtung in Amerika weiß sie zu berichten und gibt so dem Publikum ein weiteres Thema zum Nachdenken mit auf den Nachhauseweg.

(Annette Warmuth)


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