Home Presse "Unsere Lieblinge": Festes Programm? Schau mer mal!

"Unsere Lieblinge": Festes Programm? Schau mer mal!

Main-Post v. 25.11.2011

Wenn Funk-Songs und Volksmusik miteinander verschmelzen

Foto: SilberbachHey, wo hat sich nur die Band versteckt?, fragt der perplexe Zuhörer, der die Augen schließt und der Musik lauscht, die den fantastischen Gesang von „Unsere Lieblinge“ begleitet. Auf der Bühne stehen doch nur zwei Instrumente: Kontrabass und kleine Trommel mit Becken.

Es ist genial, wie Stefan Noelle mit Schlagzeugbesen aus der Snare-Drum einen Klangteppich heraus streichelt, rührt und schlägt. Und es ist brillant, wie Alex Haas auf dem Kontrabass Akkorde herauszupft und streicht, als spiele er auf einem Harmonium.

Die musikalische Genialität und Lockerheit gepaart mit feinsinnigem Wortwitz macht „Unsere Lieblinge“ so einzigartig.

 

Auf vielfachen Wunsch präsentierte kulturbunt das Musikkabarett-Duo zum zweiten Mal, diesmal im Großen Saal der Bayerischen Musikakademie. „Wir erinnern uns noch gut an unseren Auftritt vor zwei Jahren“, begrüßt Noelle die zahlreichen Gäste, worauf ihm aus dem Zuschauerraum ein glückliches „Wir auch“ entgegenschallt.

„Tomorrow Never Knows“ ist das Motto des Abends frei zu übersetzen mit Beckenbauers „Schau mer mal“. Will heißen: Nix mit festem Programm, präsentiert wird, was Spaß macht. Und den hatte das zum Schluss frenetisch Beifall klatschende Publikum. Ob Jazz, ob Rock, ob Volksmusik, ob Klassik, ob Pop – kein Genre ist den beiden fremd.

Sie verschmelzen Walzer mit Funk-Songs und Arien. Beispiel gefällig? Im „Wein-Medley“ mit dem morbiden Untertitel „Drei Tote und ein Lied“ präsentieren sie Willi Schneiders „Schütt die Sorgen in ein Gläschen Wein“ mit „Rehab“ von Amy Winehouse und dem Schlussgesang aus Glucks „Orpheus und Eurydike“.

Foto: SilberbachZu befürchten ist, dass das legendäre Frühlingslied der Comedian Harmonists bald in Vergessenheit gerät, denn die neueste Herbstversion ist mitreißender: „Veronika, der Herbst ist da, die Schwalbe zieht nach Afrika“ zwitschern „Unsere Lieblinge“ mit schönsten Falsettstimmen, die Alt- und Sopranlage mühelos ersetzen. „Den Bäumen knirscht es im Gebälk, Veronika das Gras ist welk.“ Wen interessiert da noch, wo „der Spargel wächst“?

Konspirativ kündigt Noelle das Medley „Ewige Nacht“ an, warnt vor den Fängen der GEMA und fürchtet um Einkerkerung. Denn 50 „Nacht-Lieder“ vermengen die virtuosen Musiker und Sänger in ein Acht-Minuten-Oeuvre, das keine Wünsche offenlässt.

Das Duo ergänzt sich hervorragend. Bassist Axel Haas wirkt meist tiefenentspannt, zupft cool und groovig die Saiten. Doch bei seinen grandiosen Soli erwacht er, versinkt in den Kontrabass, spielt meisterhaft. Bis in die Zehenspitzen gespannt ist Schlagzeuger Stefan Noelle. Übermütig schwenkt er manchmal ein Bein, muss den leidenschaftlichen Rhythmus wie bei „Es wird Nacht, Senorita“ einfach loswerden. Gespielt übrigens in der spanischen Tonart des verlassenen Liebhabers, in „Geh-Dur“.

Es gäbe noch so viel zu beschreiben: das „Posaunen-Solo“ via Stimme von Noelle als Reminiszenz an den Leiter der Musikakademie, Kuno Holzheimer. Das legendäre zweistimmige Gitarren-Soli aus „Last Exit Wasserlosen“, sprich „Hotel California“ von den Eagles. Doch alle Worte können das außergewöhnlich lockere und mitreißende Musikerlebnis nur mühsam beschreiben. Am besten hingehen und selbst bestaunen: zum Beispiel am 18. Januar in Bad Neustadt.

Angelika Silberbach; Fotos: Silberbach



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