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Klofrau Matilde

Main-Post vom 25.9.11
„Wart amal“

Stark: Brigitte Obermeier alias Mathilde Hertlein, die Klofrau im Keller eines Warenhauses. Foto: SilberbachBrigitte Obermeier begeisterte das Publikum

(as) Nein, es war kein lustig-philosophisches Theaterstück wie angekündigt. Es war ein tragisch-hintergründiges Bühnenspiel, das Brigitte Obermeier im voll besetzten Bocksbeutel-Keller auf Einladung von kulturbunt präsentierte. Martin Hanns hat das hintersinnige Schauspiel „Wart amal“ Obermeier auf den Leib geschrieben. Die Chefin des Sommerhaus-Theaters geht damit immer wieder auf Tour und demonstriert, dass sie eines mit Leib und Seele ist: eine Vollblut-Schauspielerin.

Leise kommt das Stück daher. Nervt anfangs, verwundert. Was will die 85-jährige Mathilde eigentlich erzählen mit den aneinandergereihten Geschichten aus ihrer Vergangenheit? Doch die Dramatik des Werks stimmt. Farbe bringen die Liedeinlagen ins Spiel und immer mehr schlägt Obermeier die Zuhörer in Bann mit deftig breitem, fränkischem Zungenschlag.

 

Verdammt noch mal, es ist hart, heute alt zu werden. Manchmal tut es richtig weh, wie die Obermeier die 85-jährige Mathilde spielt, die als Klofrau in einem Kaufhauskeller endet. Da sitzt sie nun und spottet über die „Eleganz des Elends“, die sie inszeniert, um potenziellen Kunden ein paar Münzen abzufuchsen. Ein typisches fränggisches Frääle im Kittelschürz, mit Kopftüchle, selbst gestrickten Socken, plumpen Schuhwerk und Gehstock. Gebeutelt vom Leben, dem Krieg entronnen, verliebt, verlobt, verheiratet gewesen und jetzt gnadenlos abgeschoben vom Jüngsten ihrer drei Söhne, dem Einzigen, der ihr blieb. Schwiegertochter und die zwei Enkelinnen wollen nur ihr Bestes: Ihre Ersparnisse. Ansonsten nervt sie, die Oma, und tut auch noch stinken, nach Bejahrtheit, sprich Pisse, die „alte Schabragge“. Wo ist sie geblieben, die Würde des Alterns und die Wertschätzung der Alten? Reichte früher ein „Schoklädle“, um die Enkel zu verwöhnen, genügen heutzutage nicht einmal mehr „fünf Mark sprich zwei Euro fünfzig“.

Sie hatte nicht viele Ansprüche ans Leben, die Mathilde. Einmal hatte sie drei Wünsche frei. Der erste Wunsch war „nie mehr Krieg“. Der zweite ging auch in Erfüllung: Nochmals mit ihrem Anton auf das Lied tanzen, wie damals, als sie ihn auf der Kirchweih für sich auserwählte. Doch der dritte blieb ihr versagt, gemeinsam mit ihm „den Löffel abzugeben“. Die Ballade „Einer bleibt allein“ rührt ohne Ende.

Rasantes Improtheater-Feeling kommt auf als Mathilde erzählt, was ihre Nachbarin Herta in der Mülltonne von Lehrer Gößlein findet: Rama-Schachtel, Hundeleine, Wecker, Goethes sämtliche Dramen. Respekt, da kann man nur noch Goethe laut zitieren, also jene Stelle vom Götz von Berlichingen.

Märchenhaft ist das Ende des Klofrau-Dramas und die allerletzte Geschichte, die sie erzählt. Die vom Heinerle, der dem König einen Wunder-Ring schenkt, der Traurige fröhlich und Fröhliche traurig macht. „Auch das wird vorüber gehen“ ist in den Ring hinein geprägt. Wie wahr, es bleibt nichts wie es ist. Und auch Mathilde, die Milde, rockt zum Schluss ihren Gehstock, verwandelt ihn in eine Luftgitarre. Starkes Ende eines starken Stück mit einer starken Schauspielerin.



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