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Fräulein Frieda und der Groschenroman 1324

Main-Post vom 11.5.11

friedaKulturbunt präsentierte ein literarisches Sahnehäubchen zum Muttertagskaffee

Gekonnte Mimik: Schauspielerin Marlies Ludwig begeisterte im Pfarrzentrum.
(Foto: Gerd Schaar)


(ghs) Alle zwei Jahre gibt es den literarischen Muttertagskaffee bei kulturbunt. Heuer hatte der Verein ins Pfarrzentrum eingeladen. Das kulturelle Sahnehäubchen auf den leckeren Torten und Kuchen war der Soloauftritt der Schauspielerin Marlies Ludwig. Als Fräulein Frieda präsentierte sie zur Freude der Gäste im proppenvollen Saal die Welt der Groschenromane auf allerhöchstem mimischen Niveau.

 

Mit Spannung hatte Frieda das Erscheinen des 1324. Heftchens „Marcs Rückkehr brachte ihr das große Glück“ erwartet. Nun konnte Frieda wieder für einige Zeit in jene heile Welt eintauchen, wo Männer noch Helden sind und Frauen ihre devote Haltung einnehmen. Die Kulisse von Schloss Eulenberg und der alte Baron Leopold zogen in den Saal des Pfarrzentrums. Eine weitere Romanfigur war die gute Roswitha, die trotz abgeschlossenen Medizinstudiums sich dem Baron brav unterordnet, dessen Haushalt versorgt und auf ihren Beruf als Ärztin verzichtet. Schließlich taucht der charmante Marc auf, der ihr Leben auf dem Schloss kräftig durcheinander bringt.

Die Zuschauer, also hauptsächlich Mütter, waren von dieser Vorstellung begeistert. „Die Zeit ging schnell vorbei“, meinte Zuschauerin Andrea. Die Aktiven von kulturbunt hätten hier wieder einmal ganze Arbeit geleistet und sich bis hin zur Dekoration der Tische einfühlsam eingebracht. „Auch mir hat es gut gefallen“, bestätigte Imelda. „Nein, ich gebe keinen Kommentar“, wandte sich Sabine ab.

Schauspielerin Ludwig las abwechselnd in ihrem Romanheft und galoppierte gar zu gerne in mimenreiche Ausflüge ihrer reichen eigenen Gedankenwelt. Dabei präsentierte Ludwig auch ihre immense Stimmenbandbreite – vom tiefen Alt, das die Männerstimmen nachahmte, bis in ganz hohe Sopranstimmlagen, die sich nur noch von spitzen Schreien übertrumpfen ließen.

Zum Einsatz kamen auch die Knöchel ihrer Hand, als permanentes Tischklopfen angesagt war. „Tränen sind die Waffen einer Frau“, plünderte Frieda zum Erstaunen des fassungslosen Publikums hemmungslos eine ganze Packung Kosmetiktücher.

Mit Wonne führte die überzeugend gute Schauspielerin alle Klischees aus der Welt der Groschenromane in blamierender Übertreibung vor Augen. Ludwig hielt jenen Groschenroman-Lesern, die am Sonntag offenbar in diesem Saal nicht vorhanden waren, den Spiegel vor. Teure Nobelkarossen, blütenweiße Manschetten, elfenbeinerne Adelhaut und das feine Perlgrau des Anzugs gehörten ebenso zu diesen Klischees wie die Begriffe Heimat, Blut und Boden.

Reichhaltig durfte die Zauberwelt der Wünsche sein – bis hin zum „Gipfel des Glücks“, nämlich dem ersten Kuss auf den „blassrot herben Mund“. Da dürfen auch die feinen Nasenflügel vibrieren.

Wird das Glück auf Dauer gefestigt? Wem fällt das Erbe des reichen Barons in den Schoß? All diese Antworten wird es im folgenden Groschenroman mit der Nummer 1325 geben.



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