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Mia Pittroff, ihr Laminat und Sabine

Main Post vom 18.4.11

Bezaubert auf gut oberfränkisch: Mia Pittroff bei ihrem Auftritt in der ausverkauften Markthalle. Foto: Charlotte Wahler„Wechn dera zwaa dd in der Middn"

Kabarettistin Mia Pittroff: Warum die Franken den Buddhismus lieben müssten

 

Aus Bamberch kommt die Künstlerin und sie spricht ein so herrlich breites Mittelfränkisch, dass man gerne einmal wieder dorthin reisen möchte. Auf der Bühne der ausverkauften Markthalle steht Mia Pittroff und lässt völlig unverkrampft ihre hintersinnigen Geschichten aufs Publikum los, es ist so gemütlich, als würde man mit einer „Mouhäirdeggn" vor dem Kamin sitzen.

Aber dann kommt das Sockenproblem. Von der Frage ausgehend, was sie denn für den Hammelburger Auftritt anziehen soll, entwickelt sie das Problem der Überflussgesellschaft anhand eines ganz normalen Sockenkaufs. Ganz normal? – Der alltägliche Wahnsinn. Namensschildchen an Kleidern, mit Kleber, der nie wieder abgeht. Särge, die mit einer webcam ausgestattet sind. Pittroff bezieht ihr Publikum gerne ein, sie tut es völlig unaufgeregt, so dass die Menschen in den ersten beiden Reihen erleichtert aufatmen können.

Gemüdlich is der Frangge scho. Das Lied vom Durakkord erklärt auch warum: es ist der Akkord selbst, der einlullt, egal was du singst: „Und was da sonst scho worscht war, is dir heut noch a bissl worschter als wie sonst".

Um die Stimmung dann jedoch „a bissl nach unten zu ziehen", erzählt sie ein bisschen aus ihrem „Privatlehm". „Vildzudun", das ist die Krankheit, an der ihre Freundin leidet und die wir alle kennen, an der unsere ganze Kultur leidet, Pittroff befürchtet, dass das vielleicht eine „erbliche G'schicht" ist.

Sie erzählt von einem Buddhismusseminar auf „ana kaldn unbeheizdn Burch im Fränggischn". Buddhismus, eine Religion, die die Franggn eingdlich lieben müssdn, „wechn dera zwaa dd in der Middn". Sie beschreibt, was in einem Energiekreis passiert, in dem die Energie „von Fingerspitzn zu Fingerspitzn zwaamal so rumfließd".

Sie erzählt, wie sie sich von ihrem Laminatfußboden trennen musste, sie liest eine Namensliste auf fränkisch vor, „Bäris Hilden" zum Beispiel, so dass man sich fragt, wen man eigentlich wirklich gerne kennen möchte und bei all dem kichert man ständig vor sich hin.

Sie trifft den Ton genau

Sie erzählt und singt mit einer Reim- und Fabulierfähigkeit, so dass man ihr ihre Herkunft aus der Poetry-Szene anmerkt und noch einmal genauer die Ohren spitzt, um den Hintersinn zu erfassen. Und Pittroff trifft den Ton genau.

Sie weiß, dass man heutzutage in Konzerten nicht mehr mit Feuerzeugen, sondern mit Handys winkt und überhaupt sind ihre Themen sehr jung: Ikea, der Facebook-Song, Gewinnspiele im Internet und am Telefon, nur noch den Pfeilbutton (Pfeilbaddn - noch so ein fränkisches Wort!) drüggn, dann kommt das Glück (Glügg).

Ganz allein auf der Bühne mit einer Wasserflasche und einem kleinen Blöckchen füllt sie den Abend auf besondere Weise. Sie entschleunigt das herkömmliche Hochgeschwindigkeitskabarett, bei dem sich eine Pointe an der anderen reiht und führt ihr Publikum über Feldwege zu regionalen schönen Blüten- deren eine die fränkische Sprache ist.

Und weil sie auch noch jung ist, die Künstlerin (gradamal dreissig gworn), können wir uns freuen, dass da endlich amal eine weibliche Stimme am Kabareddhimmel aufgeht. Und ano fränggisch!

                                 Von Charlotte Wahler


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