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Kaktussen aus Würzburg spielten in Hammelburg

Main-Post vom 25.1.2011

Theater mit Tempo und viel Witz

kaktussen_mp „Wir wissen auch noch nicht, was hier gleich passiert", sagt Nadine Antler, die blonde Schauspielerin von den Kaktussen. Und so ist das beim Improvisationstheater, alles Geschehen entwickelt sich spontan aus der Kommunikation des Abends.

Im Foyer der Realschule liegen Zettel auf der Bühne, die das Publikum geschrieben hat. Die Schauspieler, zwei Männer und drei Frauen, bauen später die Stichworte auf den Zetteln in ihre Stücke ein.

Doch zunächst wird das Publikum mit Aufwärmübungen in Schwung gebracht. Schultermassieren beim Sitznachbarn ist angesagt. Dann klappt das mit dem Zuruf von Stichwörtern, aus denen die Schauspieler ihre Stücke entwickeln. Ein Musiker untermalt die Stimmung auf der Bühne oder ruft sie hervor mit seinen Klängen. Tempo und Witz entstehen dadurch, dass mitten in der Szene die Figuren eingefroren und ausgewechselt werden können, so dass diese als völlig andere an einem völlig anderen Ort weitermachen können.

Da wird aus einem Kanalarbeiter ein Starbucksverkäufer oder ein verlassener Mann und dennoch funktioniert der Verlauf der Szene. Die Schauspieler greifen auch die Stichpunkte auf, die bereits im Raum vorhanden sind. Langsam werden Fantasie und Aufmerksamkeit sichtbar, die der Kommunikation der Akteure zugrundeliegt und das Bühnengeschehen zur Entfaltung bringt.

Wie kann man Begriffe wie Reisefieber, Lampenfieber und Wutanfall in einer Szene zusammenbringen? Es geht: Da will die gebärende Mutter dann doch lieber in Rom entbinden, um der gestrengen Hebamme zu entkommen. Und es macht dem Publikum sichtlich Spaß, sich gemeinsam mit den Protagonisten über ihre geistreichen Einfälle zu amüsieren. Alle freuen sich, wenn das Baby glücklich an der Brust schmatzt.

Kurze Spielstücke werden aneinander-, auseinander- und miteinanderentwickelt, so dass die Zeit im Flug vergeht. Das Publikum schreit lauthals „Mäh", wenn es dramaturgisch notwendig ist. Der erste Kuss einer Zuschauerin wird inszeniert, und diese wird selbst zur Regisseurin. Aus wenigen Handbewegungen heraus entstehen ein Garten, ein Schloss, eine Garage oder eine Klippenlandschaft auf der Bühne. Eine Expertin in einer Talkshow diskutiert mit ihrem Gegenüber, während ihre Hände (die gar nicht ihre eigenen sind), gestikulieren und ihre Aussagen unterstreichen.

Wieder werden Stichpunkte im Publikum gesammelt. Ein Kinofilm soll entstehen nach Art von Rosamunde Pilcher. „Verknitterter Ritter" heißt das Drama um eine Frau und zwei Männer. Wieder bauen die Kaktussen aus den wenigen Anfangspunkten ein köstliches Drama zusammen, dessen Witz von den Zuschauern mit viel Applaus belohnt wird.

Seit zehn Jahren spielen die Kaktussen in Würzburg und darüber hinaus. Sie zeigen auf witzige Art, wie Bilder im Kopf entstehen, wie ganze Welten und Abenteuer sich aus Fantasie und Kommunikationsfähigkeit entwickeln können.

Charlotte Wahler



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