Home Presse Europa-Kabarett mit Sebastian Schnoy

Europa-Kabarett mit Sebastian Schnoy

Main-Post vom 10.5.2010

Kabarettist Sebastian Schnoy.  Foto: Charlotte WahlerItalienisch hupen und aus dem ADAC austreten

Kabarettist Sebastian Schnoy begeisterte mit seinem Programm „Hauptsache Europa“

(chw) Der Muttertag ist auch der Europatag, für beide Anlässe ließ sich die Kabarettveranstaltung mit Sebastian Schnoy auf der Museumsinsel gebrauchen, als ein rundherum erfreuliches Ereignis. „Hauptsache Europa“, heißt das Programm des Künstlers, der mit seinem Auftritt sogar die eisheiligenbedingte Kühle des Abends vergessen ließ.

14 Wochen lang stand sein neuestes Buch „Smörrebröd in Napoli“ auf der Spiegel-Bestsellerliste, und auch auf der Bühne brachte Schnoy voll Wortwitz und Komik seine Sicht auf Europa herüber. Er entlarvte Klischees und spielte mit den kollektiven Eigenheiten der Nationen so freundlich-bissig, dass man aus dem Lachen kaum herauskam.

Schnoy erzählte, dass die Franzosen doppelt so viel für Lebensmittel ausgeben als die Deutschen, dass ein Franzose beim Aldi meint, das sei ein staatliches Lebensmittellager für den Katastrophenfall. Er verglich Camembert-Werbung mit der für Rügenwalder Teewurst so, dass die Zuhörer sich vor Lachen biegen mussten. Oder er führte vor, wie der Deutsche im Ausland gebückt herumschleicht: „Es gibt hier kein richtiges Brot!“ Der ordentliche Deutsche, der Essen als Arbeit begreift und so einparkt, wie er lebt. Korrekt, gründlich und schuldbewusst. Die drei dünnsten Bücher Europas? Ein englisches Kochbuch, ein deutsches Humorbuch und ein italienisches Heldenepos.

Schnoy erzählte, dass jedes Volk seine individuelle Hupkultur hat (und führte unnachahmlich die italienische vor), dass die Deutschen in Sachen Streikkultur ein Bravheitsgen haben (im Vergleich zu den Franzosen, die in der Französischen Revolution mit der Guillotine einen „Gurkenhobel für Grobmotoriker“ erfanden), dass es in Deutschland sogar Deosteine für die Mülltonne gäbe. Zum Beweis hält er einen in die Höhe und bietet ihn zum Verkauf an.

Er erzählt auch, dass ursprünglich auf Malta sechs unterschiedliche Volksgruppen lebten und dass heute alle Malteser sind. Dass an der Schengen-Grenze bisher schon über 15 000 Afrikaner gestorben seien, und er setzt das so in Bezug auf die Toten an der deutsch-deutschen Grenze, dass der Irrsinn europäischer Einwanderungspolitik sofort erkennbar wird. Er zitiert Thomas Bernhard genauso leichtfüßig, wie er statistische Zahlen aus EU-Berichten vermittelt. Zum Schluss ruft er die pflichtbewussten Deutschen auf, doch einmal am Tag etwas Verbotenes zu tun: italienisch hupen, aus dem ADAC austreten, stundenlang französisch essen?

Schnoy plädierte für ein gemeinsames Europa, bei dem keiner seine Wurzeln vergessen muss. Er machte deutlich, dass in der Krise die Welt ein einiges Europa mehr denn je brauche. Und verwies auf die Iren, die seit Jahrhunderten ein optimistisches Völkchen seien, ohne je einen Grund dafür zu haben.

Hans-Dieter Scherpf, Vorsitzender der Hammelburger Europa-Union, lobte die „fantastische Idee von Kulturbunt“, anlässlich des Europatages einen Kabarettisten nach Hammelburg zu holen.

 



Newsletter abonnieren

Tragen Sie sich in unseren Newsletter ein um immer über aktuelle Veranstaltungen informiert zu werden