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Main-Post vom 8.3.10

Wirtschaftliche „Deppression, weil wir die Deppen sind“
Kabarettist H.G. Butzko begeisterte das Publikum im voll besetzten Hammelburger Wasserhaus

Sarkastisch: H.G. Butzko liefert eine Pointe nach der anderen.  Foto: Wahler(chw) Bei so viel Gammelfleisch im Reichstagsgebäude sei er doch lieber hier in Hammelburg als in Berlin, bekundete H.G. Butzko in seinem Kabarettprogramm „Spitzenreiter“, mit dem er die Besucher im voll besetzten Wasserhaus begeisterte. Obwohl sein Auftritt die Höhepunkte aus vier Programmen zusammenfasste, zog der Künstler sehr aktuell am politischen Geschehen quer durch die bundesdeutschen Lande.

Er fragte, ob sich eigentlich die Dinge ändern, oder ob sich nur die Sicht auf die Dinge ändern würde: „Da sehne ich mich doch nach meinen Problemen von 1997 zurück!“ Sprachliche Verunstaltungen durch Begriffe wie Bankenzocken oder Wachstumsbeschleunigungsgesetz stellte er ebenso an den Pranger wie Zitate aus der Biographie von Angela Merkel. „Jede zweite Seite ein Brüller“, befindet Butzko.

„Deppression“ heiße die wirtschaftliche Lage, „weil wir die Deppen sind“, und er erinnert an die vergangene Regierungskoalition mit einem Goethe-Zitat: „Wenn man rot und grün mischet, bekommt man ein Grauen.“

Entspannt gibt Butzko den Ruhrpottkumpel, der geduldig wartet, bis seine sarkastischen Pointen im Publikum angekommen sind. Er erklärt, wie das Kind zum Spießer wird, der im Doppelripp-Unterhemd von der Fensterbank aus sein Weltgeschehen kommentiert. Eloquent ruft er aber auch Bilder aus der Vergangenheit vor die Augen des Publikums, zum Beispiel die „Mutti beim Spülen in der Prilblumenecke“.

Schade, dass die schönste Zeit im Leben, die Pubertät, an Kinder verschwendet werde, meint der Kabarettist und erinnert sich an bewegte Jahre im Stadtteil Schalke, die sich sehr gut auf die damalige unterfränkische Lebenssituation übertragen lassen und auf die Altersstruktur des Publikums. Die Jüngeren unter den Gästen erinnert Butzko an so unglaubliche Dinge wie Tonbandgerät und Überspielkabel, um dann gleich wieder an den globalen Fortschritt zu erinnern. Inzwischen hätten die Chinesen die USA in weiten Teilen in Form von Staatsanleihen aufgekauft und bei uns mache die Raiffeisenbank den Winterdienst: „Wir machen den Weg frei“, zitiert er. Als Börsenmakler kommentiert er böse die Welt und entlarvt eine Haltung, die immer noch auf der Börsenbühne umhergeht.

Am Schluss schlüpft Glatzkopf Butzko schreiend komisch unter eine Perücke und in die Rolle des Künstlers Chris di Motten, der langhaarig und langsam und wahrscheinlich aufgrund seines Drogenkonsums nicht einmal mehr das geistige Niveau des Doppelripp-Unterhemdtragenden Spießers erreicht. Und Butzko, der sich als der freie Radikale des deutschen Kabaretts bezeichnet, hat mit seinem Auftritt die wintermüden Moleküle seines Publikums gut in Schwung gebracht.

 

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