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Ass-Dur in Hammelburg

Bestens aufgelegt: das Duo Ass-Dur in Hammelburg. Foto: Charlotte WahlerMain-Post vom 25.10.2010

Pfannkuchen backen und an Ass-Dur denken

Ganz seriös und förmlich wird das Publikum in der Aula des Gymnasiums wegen seiner Internationalität auch auf Englisch begrüßt, aber dann geht es so aberwitzig und komisch weiter, dass man sich auf dem Boden wälzen möchte vor Lachen.

Dominik Wagner und Benedikt S. Zeitner nennen sich Ass-Dur, ihr Programm heißt „1. Satz – Pesto“ und sie spielen mit Witz – erstens hervorragend Musik, zweitens wunderbar abgedrehte Charaktere, drittens herzerfrischend mit dem Publikum und viertens pantomimisch mit ihren jungen schmalbrüstigen Körpern, so dass man ihnen gerne ein Butterbrot hinaufreichen möchte. Wenn zwischen zwei Lachanfällen überhaupt Platz für solche Gedanken bleibt.

Während Benedikt S. Zeitner den steifen Engländer spielt, verdreht Dominik Wagner gelangweilt die Augen und lümmelt so am Klavier herum, dass er einmal tatsächlich vom Stuhl rutscht. Dass er zwischendurch auch in der Nase popelt und dumme Witze erzählt, hindert ihn nicht daran, beim Klavierspiel meisterlich die unterschiedlichsten Stimmungen zu erzeugen und zu parodieren. Seine Witze sind übrigens wirklich staubtrocken, aber weil sie köstlich in den spielerischen Zusammenhang gestellt sind, reißen sie das Publikum fast von den Sitzen. Während der eine vom apodiktischen Zauber schwafelt, von der entgegengesetzten Geschlechtskategorie und von Reframing und im Übrigen mit allen Fachbegriffen der Musik, der Pädagogik und der Psychotherapie gekonnt und hintergründig jongliert, fragt der andere: Was ist rot und steht am Straßenrand? Oder: was ist blau und steht am Straßenrand? Oder er erzählt, dass er neulich bei der Deutschen Bahn angerufen hat: schlechte Verbindung. Und beim DJ: der hat aufgelegt. Zwischendurch geht auch Zeitner ans Klavier und spielt ein Kochrezept als Pop-Ballade. Die Zuhörer werden wahrscheinlich nie mehr Pfannkuchen backen oder essen können, ohne an Ass-Dur zu denken und zu grinsen.

Die beiden spielen respektlos, aber liebevoll mit der klassischen Musik, sie bringen Beethovens Stück für Elise als Tango oder als Boogie Woogie, sie spielen „Happy birthday“ a la Mozart, a la Beethoven, a la Tschaikowski, sie spielen vierhändig, während sie sich ausziehen, Wagner spielt sogar im Liegen über Kopf und in all dem steigern sie Witz und Tempo, so dass im Publikum die Tränen vor Lachen und Freude fließen und manche sich den Bauch halten beim Kichern und Kreischen.

Die Bi Ba Butzemänner, die das gleichnamige Volkslied so gekonnt parodieren, sind zum Glück noch jung, so dass man neugierig sein kann, wohin sie ihre vielfältigen Talente ausbauen. Sie sollen bloß nicht vergessen, Butterbrote zu essen. Oder Pfannkuchen?

Die Menschen im Publikum hören gar nicht mehr auf zu lachen, sie lachen noch draußen auf der Straße weiter unter dem Vollmondhimmel, im Auto und zu Hause sicherlich auch. Bis in den Schlaf hinein.

Charlotte Wahler



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