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Unsere Lieblinge

Main-Post vom 6.12.09

"Feuerwerk aus Musik, Idee und Esprit
Tosenden Applaus gab es für „Unsere Lieblinge“: Alex Haas (Kontrabass) und Stefan Noelle (Schlagzeug) aus München. Foto B. Oschmann

Furioser Auftritt von „Unsere Lieblinge" im Hammelburger Pfarrzentrum
Ein verbal-musikalisches Feuerwerk zündeten „Unsere Lieblinge" mit ihrem Adventssingen im Saal des Pfarrzentrums. Alex Haas und Stefan Noelle aus München waren auf Einladung von kulturbunt nach Hammelburg gekommen und ernteten dort tosenden Applaus.

 



Wie kommen diese beiden virtuosen Musiker bloß auf solche Ideen? Sie singen zum Beispiel ein Potpourri über Straßen, fangen an mit „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt". Und dann geht eine Blitzreise los. In Sekundenschnelle wechseln sie Sprachen, Lieder, Orte: Gerade waren sie noch Richtung „Sieben Brücken" unterwegs, schon wandeln sie auf den „Champs-Élysées", um in die Streets of – nein, nicht London, sondern – Philadelphia einzubiegen. „Wir zwei fahren irgendwo hin", trällern sie und landen am Ende in der „Penny Lane".

Die Begleitung dazu: ein Kontrabass, ein Becken, eine Snaredrum. Diese minimalistische Instrumentierung reicht, um eine komplette Band zu ersetzen. Natürlich nur, wenn sie dermaßen kreativ eingesetzt wird. Kurzerhand verwandelt Alex Haas den Bass in eine spanische Gitarre und spielt ein geniales Solo zu „Es wird Nacht, Se?orita". Die Lieblinge bezeichnen dieses Stück übrigens als „Herbergssuchelied" und „eine Art Jakobsweg in g-moll".

Ganz klassisch hatten sie mit „Es ist ein Ros' entsprungen" begonnen. Doch kurz darauf mischen sie Klassik, Pop, Rock, Swing, Blues, folkloristische, indianische, afrikanische Elemente. Auch Schlager und Stimmungslieder finden Niederschlag im Programm – dargeboten mit inbrünstigem Schmelz und augenzwinkernder Ironie. Der rührend gesungene „Trommelbub" geht plötzlich über in „Fernando" von Abba, das sie gekonnt zweistimmig intonieren und pfeifen.

„Es ist so etwas wie unsere Logik, solche Lieder miteinander zu verbinden", erklärt Stefan Noelle dem immer wieder auflachenden Publikum. So stellt es auch kein Problem dar, Strangers in the Night einfach einmal zu „karpatisieren", wie sie sagen: Dazu versehen sie den bekannten Ohrwurm mit einem völlig anderen Rhythmus und verlegen ihn damit auf den Balkan. Die Gelegenheit für Stefan Noelle, mit seinen Schlagzeugbesen auf Reisen zu gehen und alle möglichen Gegenstände zu bearbeiten: den Bühnenboden, den Türrahmen, den Christbaum, einige Weingläser, die Stative der Scheinwerfer – und schließlich gar die Saiten des Kontrabasses.

Zwischen lautem Humor und fulminanter Dynamik gibt es immer wieder leise Momente an diesem Abend: streichelnde Besen, gezupfte Basstöne, zarte Zweistimmigkeit. Alex Haas zeigt hierbei einen respektablen Tonumfang – vom tiefsten Bass bis zum höchsten Tenor.

Ansagen voller Esprit integrieren aktuelle Politik – Volksbegehren Nichtraucherschutz – oder lokale Gegebenheiten: So wundern sich Haas und Noelle, dass in Hammelburg Weinkeller, Polizei und Therapiezentrum im gleichen Haus zu finden sind. Und ziehen den Schluss: „Das könnte ein Modell für andere Städte sein." Auch bezeichnen sie Hammelburg als „Insel des Glücks", weil der Weihnachtsmarkt nur ein einziges Wochenende dauert und vor allem nicht dauerbeschallt wird wie sonst üblich.

Jedenfalls dürfen die Lieblinge nicht von der Bühne, ohne drei heftig herbeigeklatschte Zugaben gegeben zu haben. So singt Stefan Noelle zum Schluss ein Liebeslied ans Publikum: „Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen und warten auf ein Wiederseh'n". Daraus wird dann der wunderschöne Beatles-Song „Dear Prudence", der schließlich ganz leise verklingt."

Barbara Oschmann



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